Station 13 / Niederste Straße: Kaufhaus Karl Ursell

Historische Aufnahme des Kaufhauses Karl Ursell in Attendorn
(Foto: Stadtarchiv)

Karl Ursell leitete zusammen mit seiner Frau Paula bis 1934 das Textilwarengeschäft Karl Ursell in der Niedersten Straße.

 

Die Firma A. A. Ursell, resp. der Nachfolger Karl Ursell, handelte zunächst nur mit Tuch- und Ellenwaren, entwickelte sich aber schnell zum Manufakturwarengeschäft. In der Folgezeit kamen weitere Artikel aus anderen Branchen hinzu: Düngemittel, Saatgut, Zementrohre für Kamine, Dielenbretter, maßgeschneiderte Damen- und Herrengarderobe - eine Entwicklung bis zum Warenhaus.

 

Karl Ursell war jahrelang (1919-1930) Stadtverordneter, von 1903-1933 Kassierer und Schriftführer bei der Attendorner Freiwilligen Feuerwehr und seit Gründung der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft von 1919 bis 1933 deren ehrenamtlicher Geschäftsführer.

 

Karl Ursell verkaufte 1934 sein Geschäft an Paul Gersmann. Vor der Geschäftsaufgabe ließ er durch den Auktionator Beul am 16. Juli 1934 eine freiwillige Versteigerung im Hotel zur Post in Attendorn durchführen. Am gleichen Tag suchte er per Inserat im Attendorner Volksblatt eine tüchtige Hausgehilfin für seinen neuen Wohnort in Wuppertal-Elberfeld. 

 

Paul Gersmann übernahm weder das Mobiliar noch den Warenbestand, dagegen jedoch einen Teil des Personals. Er gab die Eröffnung seines Geschäftes mit der großen Überschrift „Das christliche Geschäft wirbt mit neuer Ware“ bekannt.

 

Nach dem Verkauf des Hauses zogen die Eheleute Karl und Paula Ursell am 14.07.1934 mit der Tochter Hella Ingeborg nach Wuppertal-Elberfeld, Herzogstraße 4. Sie meldeten sich als auf Reisen befindend in Attendorn ab. Die jüngste Tochter Hella blieb bei ihren Eltern in Wuppertal; sie war noch minderjährig und nur volljährige Nachkommen konnten - wenn überhaupt - ausreisen.

 

Durch die Mithilfe von Dr. Siegfried Ursell, Cambridge, erlangten die beiden ältesten Kinder Hans und Ruth die Ausreisegenehmigum nach England. Von dort emigrierten sie in die USA.

 

Karl Ursell wurde am 22.07.1942 gemeinsam mit seiner Frau von der Gestapo "abgeholt" und mit

dem Transport VII nach Theresienstadt evakuiert, wo er am 30.10.1942 auf Grund von Schlägen
auf den Kopf verstarb. Paula Ursell wurde am 15.05.1944 vom KZ Theresienstadt ins KZ Auschwitz
"evakuiert", wo sie ums Leben kam.

 

Hella Ursell wurde am 10.11.1941 von der Gestapo Düsseldorf in den "Osten", nach Minsk "evakuiert", wo sie nach 1943 im Konzentrationslager verstarb.

 

An der Niedersten Straße in Attendorn befindet sich heute die bekannte Attendorner Konditorei und das Café Harnischmacher.