Stolpersteine wider das vergessen

Drei Stolpersteine
(Foto: Tom Kleine)

Zu Beginn der 1990er Jahre hat der Kölner Künstler Gunter Demnig das Projekt „Stolpersteine“ ins Leben gerufen.

 

Stolpersteine sind kleine Gedenksteine, die an die Vertreibung und Ermordung von Juden und anderweitig Verfolgter und Geschändeter in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern.

 

Heute gehören die von Gunter Demnig entworfenen und verlegten Stolpersteine zum Bild vieler Städte. Seit der ersten Verlegung dieser individuellen Gedenksteine in Köln im Jahr 1995 wurden mehr als 45.000 solcher Steine in 800 Städten und Gemeinden in Deutschland, Österreich, Ungarn, Holland, Polen, Tschechien, Belgien und weiteren europäischen Ländern verlegt.

 

Auf den Stolpersteinen (10 x 10 cm große Granitquader mit eingelegter Messingplatte) in Attendorn sind der Name, Geburtstag und -ort sowie der Todestag von jüdischen Mitbürgern, die während des sog. 3. Reiches in den Konzentrationslagern oder anderswo von den Nationalsozialisten umgebracht worden sind oder die den Freitod vor dem befohlenen Abtransport wählten, eingraviert. Sie sind vor Wohnungen oder besonderen Plätzen, die für die ehemaligen Mitbürger von besonderer Bedeutung waren, verlegt worden.

 

„Die bekannten zentralen Denkmale können nur allgemein der Opfer gedenken und sind zum Teil auch nur auf bestimmte Opfergruppen bezogen. Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, sein Schicksal und seine Identität sind, soweit bekannt, ablesbar.“

(G. Demnig)

(Quelle: Gedenkblatt-Sammlung für die Opfer des Nationalsozialismus in Siegen und Hilchenbach, Hrsg. Aktives Museum Südwestfalen e.V.)

 

„Durch die Stolpersteine werden die Opfer des NS-Terrorregimes mehr und mehr aus der Anonymität herausgeholt. Durch die Aufarbeitung der einzelnen Biografien wird ein Andenken an den einzelnen Menschen ermöglicht, der aus seinem Leben mitten in Deutschland und Europa herausgerissen wurde, um in der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie einen grausamen Tod zu sterben“.

(Quelle: Rathaus-Kultur, Bad Neuenahr-Ahrweiler 2012)

 

Neben der Erinnerungskultur kann der Blick auf heutige Ausgrenzungen aufgrund von Religion,
Herkunft, Behinderungen und Äußerlichkeiten gelenkt werden. Schon ein „falsches“ Outfit oder eine „falsche“ Meinung kann im heutigen Alltag zu Ausgrenzungen führen.

Vier Männer bei einer Stolperstein-Verlegung
Attendorn, 15. November 2006: Künstler Gunter Demnig mit den Nachfahren Eric, John und Harry Selker-Ursell (USA).

Wie die Stolpersteine nach attendorn kamen

Der Anstoß zur Verlegung von Stolpersteinen in Attendorn im Jahr 2006 kam von unerwarteter Seite. „Eines Tages meldete sich bei Hosenfeld Christian W. aus Berlin, ein Enkel eines ehemaligen SA-Führers aus Attendorn. Eigentlich wollte dieser etwas über das Leben der Juden in Attendorn wissen. Er wandte sich an die Heimatpflegerin, die ihm als Fachmann Hartmut Hosenfeld empfahl. Nach intensiven Gesprächen brachte W. diesen dazu, das Projekt der Stolpersteine auch in Attendorn anzustoßen.

 

Die Verlegung der Stolpersteine (im Jahr 2006 waren es 12, im Jahr 2008 wurden noch 2 weitere Stolpersteine hinzugefügt) wurde über Spenden von Parteien, Gruppen und Privatpersonen ermöglicht. Die Stadt Attendorn stellte dankenswerterweise die öffentlichen Flächen zur Verfügung.

Vier Verlegestellen in Attendorn

"Stolpersteine in Attendorn" zum Download

Das Cover der Broschüre Stolpersteine in Attendorn

Die Hansestadt Attendorn hat in Zusammenarbeit mit Hartmut Hosenfeld und der Attendorner Agentur DES WAHNSINNS FETTE BEUTE eine Infobroschüre zum Thema „Stolpersteine in Attendorn“ auflegen lassen, die Sie sich hier herunterladen können:

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Stolpersteine in Attendorn
Stolpersteine in Attendorn.pdf
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