Station 7 / Kölner Straße 75: Die Firma A. A. Ursell

zeichnung der Firma A. A. Ursell in Attendorn

Als wichtiger Arbeitgeber für die Attendorner Bevölkerung bis zum Jahr 1938 muss die Firma A. A. Ursell genannt werden.

 

Die Anfänge einer der größten Firmen in Attendorn gehen auf Aaron Abraham Ursell (04.10.1802-25.12.1882), den Begründer des Familienbetriebes Ursell, zurück. Er erbte den Geleitbrief seines Vaters und konnte als Schutzjude neben dem Metzgergewerbe auch Handel betreiben.

 

Er gründete außerhalb von Attendorn am Ollerschott mit sieben Arbeitern in einer alten Baracke eine kleine Fabrik, die sich mit der Produktion von Weißblech- und Zinkwaren befasste. In ihren Briefköpfen gab die Firma als Gründungsjahr bzw. als Datum der Stammhausgründung das Jahr 1764 an, wobei sich dieses Datum nicht auf die Blechwarenfabrik beziehen kann, sondern bei der Wahl dieser Angabe wohl der Zeitpunkt der Übersiedlung des Stammvaters der Familie, Aaron Lazarus, nach Attendorn als Gründungsjahr gewählt wurde.

 

Josef Ursell (1838-1898) folgte seinem Vater nach dessen Tod als alleiniger Inhaber des Unternehmens. Er erweiterte den ererbten Betrieb, erwarb an der Kölner Straße ein großes Gelände und einen Fabrikkomplex, bestehend aus Fabrikgebäude, Bürohaus und Wohnhaus.

 

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Firma A. A. Ursell zu einer der führenden Blechwarenfabriken Deutschlands.

 

Am 22. April des Jahres 1883 gliederte sich das Gesamtunternehmen in eine Bijouteriefabrik - (Broches, Krawattennadeln, Federhaken, Federringe, Kollierschlößchen, Karabiner, Charniere und Ösen, Uhrenkegel usw.). Alle diese Gegenstände konnten in Stahl, Messing, Tombach, Neusilber und Argentan geliefert werden;. Außerdem konnten alle diese Waren vernickelt werden, - und in eine Verzinkerei, deren Spezialität Transportflaschen, Hobbocks, Fetteimer und Lagerstandgefäße waren. Außerdem gehörte eine Blechwarenfabrik zu dem Komplex an der Kölner Landstraße.

 

Nach dem Tode von Josef Ursell 1898 traten neben der Ehefrau des Verstorbenen, Minna Ursell, auch die erwachsenen Söhne, die Kaufleute Albert und Carl Ursell, als Gesellschafter in die Firma ein.

 

1921 waren bei der Firma A. A. Ursell 35 Angestellte, 176 Arbeiter, 2 Schwerkriegsverletzte und 1 Eisenbahn-Transportverletzter beschäftigt. Damit war diese Firma der zweitgrößte Arbeitgeber in Attendorn.

 

Julius Ursell  musste vor dem Erreichen eines medizinischen Grades das Studium in Freiburg abbrechen, um in die Fa. A. A. Ursell einzutreten. Bis zum Tode seines Bruders Albert war er verantwortlich für die technischen Belange und anschließend auch für die finanziellen und personellen Aufgaben der Firma.

 

(Anm.: Die Metallwarenfabriken A. A. Ursell O.H.G. in Attendorn und Sohler`sche Eisenwerke GmbH in Listernohl gingen nach gezielten Verhängungen von Kontingentsperren am 18. Juni 1938 in den Besitz der Firmen Tielke & Hommerich Attendorn und Pass & Co. in Weidenau (Sohler`sche Eisenwerke) über.)