Station 12 / Wasserstraße: Kaufhaus Cohn

Historische Aufnahme der Novemberpogrome 1938 in der Wasserstraße in Attendorn
(Foto: Stadtarchiv Attendorn)

Das direkt gegenüber des Kaufhauses Lenneberg gelegene und von Alfred Cohn geführte "Kaufhaus Edmund Cohn" in der Wasserstraße wurde bei den Novemberpogromen 1938 zerstört und geplündert.

 

Im 20. Jahrhundert lebten in Attendorn die jüdischen Familien Böheimer, Cohn, Stern, Ursell und Guthmann. Alle, bis auf die Familie Guthmann, waren Kaufleute, die in Attendorn erfolgreich Kaufhäuser betrieben. Die Inhaber waren Hermann Stern für das Kaufhaus Raphael Lenneberg, Alfred Cohn für das Kaufhaus Edmund Cohn, Ari Böheimer für das Kaufhaus Isaak Böheimer und Karl Ursell für das Kaufhaus A. A. Ursell.

 

Auch wenn es einige Male in den Jahren ab 1900 vorgekommen war, dass diese Geschäftsleute gemeinsame Anzeigen im Attendorner Volksblatt veröffentlichten, herrschte unter ihnen weitgehend ein intensiver Konkurrenzkampf um die Kundschaft. 

 

In den mittleren 20er Jahren des letzten Jahrhunderts versuchten die drei Geschäftsleute durch besondere Vergünstigungen, Käufer aus Attendorn und der näheren Umgebung in ihr eigenes Geschäft zu locken. Hatte sich der Streit um die Kundschaft in den 80er und 90er Jahren des vorletzten Jahrhunderts hauptsächlich zwischen Lenneberg und Ursell abgespielt, so waren jetzt die Hauptkontrahenten Hermann Stern und Edmund bzw. Alfred Cohn. Von Letzterem wird erzählt, dass er sonntags schon am Bahnhof versuchte, die Kundschaft auf Sonderangebote hinzuweisen und sie für einen Einkauf in seinem Geschäft zu gewinnen.

 

Edmund Cohn warb im Dezember 1926 für den Einkauf von Weihnachtsgeschenken mit einem christlichen Motiv. Ein Nikolaus lud zum Einkauf am zweiten Adventssonntag in das Kaufhaus ein. 

 

Der wirtschaftliche Unfrieden zwischen den Familien Stern und Cohn endete erst, als Alfred Cohn sich in Gertrud Stern, seine spätere Frau, verliebte.

 

Ein Geschäftslokal in Attendorn
Das Gebäude im Jahr 2018. (Foto: Tom Kleine)