Station 9 / Ostwall 93: Wohnhaus der Familie Hermann Stern

Im Garten der Familie Stern am heutigen Ostwall, von links: Hermann Stern, Gertrud Stern, Kurt Stern. Emilie Lenneberg und Max Lenneberg. (Bildarchiv Hosenfeld)
Im Garten der Familie Stern am heutigen Ostwall, von links: Hermann Stern, Gertrud Stern, Kurt Stern. Emilie Lenneberg und Max Lenneberg. (Bildarchiv Hosenfeld)

Hier stand das Wohnhaus der Familie Hermnann Stern, Geschäftsführer des Kaufhauses Lenneberg in der Wasserstraße.

 

 Als Theodor Lenneberg im Jahr 1920 starb, wurde dessen Schwiegersohn Hermann Stern, der im Jahr 1900 die Lenneberg-Tocher Henriette "Henny" heiratete, zum Geschäftsführer des Kaufhauses Lenneberg in dritter Generation.

 

Frau Fine Reuber, Attendorn, die im Hause Hermann Stern als Hausmädchen angestellt war, erinnerte sich:

 

„Der Neubau an der Promenade ist 1900 errichtet worden. Es war ein hochherrschaftliches Haus mit drei Etagen. Parterre waren eine große Küche, Herrenzimmer, Esszimmer und ein Wohnzimmer; im Herrenzimmer standen Clubsessel, ein runder Tisch und ein großer Bücherschrank voller erlesener deutscher Schriftsteller, keine Schmöker. Im Esszimmer war in den Schränken viel Silberbesteck und gutes Geschirr und Gläser. In der ersten Etage waren das Jungenzimmer (Kurt und Walter), Gerhards Zimmer, Gertruds Zimmer, Elternzimmer, Bad und ein Zimmer, das nannten wir immer Schrankzimmer. Es stand voller Wäscheschränke, dort stand auch die hauseigene Mangel; hier wurde gemangelt, gebügelt und gestopft und alles sofort wieder eingeräumt. Das waren alles große und hohe Zimmer, da sind später mal Decken eingezogen worden.

 

In der zweiten Etage waren die Zimmer nicht so hoch, aber noch nicht schräg. Da waren Fremdenzimmer mit Bad. Hier oben hatte auch Fräulein Emilie Lenneberg, die Schwester von Frau Stern, ihr Schlafzimmer und ihr Wohnzimmer für persönlichen Besuch; sonst hatte sie ja Anschluss an die Familie. Außerdem waren da noch ein kleines Zimmer und das Mädchenzimmer. Die ältesten Kinder mussten wir Hausmädchen siezen. Es hieß „Herr Kurt“ und „Herr Walter“ und „Fräulein Stern“, wir sagten immer „Sternchen kommt“. Nur den Gerhard durften wir noch duzen. Kurt Stern und Walter Stern hatten damals schon Abitur, Gerhard war noch auf dem Gymnasium. Der hat 1933 mit Auszeichnung Abitur gemacht.

 

Gerhard spielte gut Klavier und hielt auch strenger als die anderen auf den Glauben. Oftmals kam er in die Küche und fragte nach dem Fleisch. Wenn es Schweinefleisch war, schnitten wir das Fett ab und sagten, es wäre Kalbfleisch. Gerhard Stern hielt sich an die religiösen Vorschriften und hielt auch die Fasten- und Festtage ein.

 

Die Familie Stern achtete streng darauf, dass die angestellten Mädchen sonntags zur Kirche gingen. Sie bekamen dafür während der Dienstzeit frei und konnten so zum Hochamt gehen und mussten nicht zur Frühmesse um 7 Uhr.